Ich bin Lkw-Fahrer. Ich fahre viele Kilometer, sehe viele Rastplätze und höre mir auch viele Jobangebote an. In letzter Zeit passiert immer öfter Folgendes:
Man hat ein Vorstellungsgespräch. Alles klingt ganz okay. Dann kommt der Moment, in dem man denkt:
„Hm… irgendwie doch nicht mein Ding.“
Und statt kurz Bescheid zu sagen, macht man… nichts. Funkstille. Ghosting.
Ganz ehrlich: Ich verstehe das.
Es ist bequem. Kein unangenehmes Telefonat. Keine Erklärung. Einfach Nummer blockieren, fertig.
Kurzfristig fühlt sich das gut an.
Aber auf lange Sicht? Nicht so clever.
Warum wir das machen
Meistens ist es ganz banal:
- Das Angebot war doch nicht so toll
- Der Chef kam komisch rüber
- Die Touren passen nicht
- Man hat schon was anderes in Aussicht
- Oder man hatte einfach keinen Bock auf Diskussionen
Also taucht man ab.
Problem gelöst? Leider nein.
Die Branche ist klein. Sehr klein.
Was viele vergessen: Die Logistik ist kein riesiges anonymes Internet.
Spediteure reden miteinander. Disponenten wechseln die Firma. Recruiter merken sich Namen.
Wenn du zweimal, dreimal einfach verschwindest, bleibst du im Kopf.
Nicht als „cooler Typ“. Sondern als „der meldet sich nie zurück“.
Und irgendwann wunderst du dich, warum plötzlich weniger Angebote kommen.
Ein kurzer Satz reicht völlig
Niemand erwartet Romane. Wirklich nicht.
Ein einfaches:
Danke für das Gespräch, aber ich habe mich anders entschieden. Alles Gute.
30 Sekunden Aufwand.
100 Prozent professioneller Eindruck.
Damit hältst du dir Türen offen. Für später. Für bessere Zeiten. Für den nächsten Job, der vielleicht wirklich passt.
Kleines Augenzwinkern zum Schluss
Wir Fahrer beschweren uns gern über Respekt, Wertschätzung und Umgangston.
Völlig zu Recht.
Aber Respekt funktioniert in beide Richtungen.
Ghosting ist vielleicht modern.
Aber ein echter Profi sagt kurz Bescheid und fährt dann weiter.
So wie auf der Straße:
Blinker setzen, Spur wechseln, sauber weiterrollen.
In diesem Sinne:
Allzeit gute Fahrt. Und manchmal einfach kurz melden. 🚛🙂


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